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CNI bei Katzen

Viele Katzenhalter haben die CNI (Chronische Niereninsufizienz) der Katze leider schon bei eigenen Tieren erleben müssen und oft bekomme ich in meiner Praxis an CNI erkrankte Katzen vorgestellt. Aus diesem Grunde möchte ich hier einige Informationen hierzu zusammenfassen.

 

Die Niere und ihre Funktion

Die Nieren nehmen bei der Reinigung und Entgiftung des Körpers eine entscheidende Rolle ein. Als paariges Organ sind sie durchzogen von Arterien, Venen und Lymphgefässen.

Im Gegensatz zu zb Hunden und anderen Tieren hat die Katze eine deutlich geringere Anzahl an Nephronen, welche eine funktionelle Untereinheit der Niere darstelle. Diese geringere Anzahl der Nephronen zeigt sich als eine Ursache für die Anfälligkeit der Nieren bei der Katze. Ein weiterer Grund ist die im Vergleich zu anderen Tieren geringe Wasseraufnahme von Katzen.

Die Nieren filtern in einer komplexen Abfolge das Blut und bereiten den Harn zur Ausscheidung vor. Über den Harn werden die sogenannten harnpflichtigen Substanzen wie Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure, Toxine, Wasserstoff und Stoffwechselendprodukte ausgeschieden.

Durch diese Filtraton tragen die Nieren auch zu einer Regulation des Wasserhaushalts, des Säure-Basen-Haushalts und der Elektrolytkonzentration des Organismus bei.

Ausserdem haben die Nieren auch hormonbildende Aufgaben.

Wenn nun also die Nieren in ihrer Tätigkeit geschwächt und gestört sind, hat das Einfluss auf viele Bereiche des Organismus.

Neben der CNI gibt es auch die ANI, ein Akutes Nierenversagen, welches meist durch eine Vergiftung oder durch eine Überlastung durch Medikamente entsteht. Hier sind bei schneller und umfassender Behandlung und entsprechender Nachbeobachtung durchaus gute Prognosen zu stellen. Leider kann eine ANI die Nieren jedoch auch dauerhaft schädigen, so dass sich hieraus dann durchaus auch Folgeerkrankungen ergeben können.

 

Mögliche Ursachen für eine CNI

Seit Jahren stehen Impfungen im Verdacht, die Nieren zu schädigen. Gerade die intensive Impfpraxis der letzten Jahrzehnte scheint zu einem verstärkten Auftreten von CNI zu führen. Der Grund dafür könnte sein, dass Impfstoffe für Katzen häufig auf Nierenzellen gezüchtet werden und dadurch neben den erwünschten Antikörpern auch nierenzellschädigende Antikörper entstehen.

Ein weiterer Grund können rezidivierende Harnwegsinfekte sein, die unzureichend therapiert wurden.

Falsche Fütterung mit den heutzutage üblichen getreidebasierten Futtermitteln, welche oft auch noch viele andere minderwertige Füllstoffe enthalten, schädigen neben Darm, Bauchspeicheldrüse und Leber auch die Nieren sehr stark. Hier ist besonders Trockenfutter eine große Belastung für die Niere, da Katzen üblicherweise einen Grossteil des Flüssigkeitsbedarfs aus der Nahrung decken. Da das bei Trockenfutter nicht funktioniert, kommt der Wasserhaushalt in ein Ungleichgewicht. Der Harn wird sehr stark konzentriert und der ph-Wert verändert sich. Als Deckung des Flüssigkeitsbedarfs bei Trockenfutter trinkt die Katze vermehrt und die Nieren werden überlastet.

 

Mögliche Symptome einer CNI

Da die CNI sich langsam entwickelt und sehr lange unbemerkt bleibt, wird oft erst bei Auftreten von Symptomen ein Blutbild gemacht. Wenn die Nierenwerte dann schlecht sind, sind die Nieren bereits zu mindestens 60-70% irreparabel geschädigt.

Zuerst fällt dem Halter meist nur auf, dass die Katze vermehrt trinkt und entsprechend mehr Urin absetzt. Nach und nach ändert sich meist das Haarkleid, es wird struppiger, steht irgendwie ab, es wird schuppig. Dazu kommt dann irgendwann ein häufigeres Erbrechen, die Katze wird futtermäkelig. Zu Beginn frisst sie nur noch kleine Mengen oder nur Lieblingsmahlzeiten und Leckerchen. Dann verweigert sie immer häufiger oder gar komplett das Futter. Sie geht oft an den Napf ran, aber nach einmaligem Schnuppern wendet sie sich wieder ab. Manche Katzen lecken auch an Wänden oder fressen Katzenstreu.

In einem fortgeschritteneren Stadium riecht die Katzen aus dem Maul nach Urin. Man sieht vielleicht auch gerötetes Zahnfleisch oder Zahnfleischblutungen. Die Katze verliert schnell an Gewicht und ist dehydriert.

Danach entwickeln sich oft Koordinationsstörungen, oft Zuckungen oder Krämpfe, sie haben manchmal Nasenbluten, sie wirken orientierungslos und sind unruhig, schreien vermehrt. Diese Katzen haben ein erhöhtes Risiko, lötzlich zu erblinden oder einen Schlaganfall zu erleiden.

Werden diese Katzen nicht behandelt, sterben sie durch Vergiftung des Organismus, durch Austrocknung und Multiorganversagen.

 

Diagnose

An erster Stelle macht ein Blutbild bei Verdacht Sinn.
Jedoch muss man bedenken, dass die meisten Katzen erst vorgestellt werden, wenn sie stärkere Symptome vorweisen. Sie sind dann oft dehydriert und dann sind die Blutergebnisse nicht aussagekräftig. Man sollte die Blutuntersuchung also in jedem Fall noch einmal wiederholen, wenn die Katze wieder stabilisiert ist.

Harnstoff: Wenn die Nieren nicht ausreichend ausscheiden können, erhöht sich der Harnstoff im Blut und es entstehen Übelkeit, Erbrechen und Futterverweigerung. Der Harnstoff alleine reicht für eine Diagnose jedoch nicht aus, da er durch Stress, einen hohen Proteingehalt im Futter und Austrockung erhöht sein kann.

Kreatinin: Kreatinin ist wie der Harnstoff auch ein Abbauprodukt während des Verdauungsvorganges. Jedoch wird er nicht durch äußere Faktoren verändert und ist daher verlässlicher für die Diagnose.

Phosphat: Wenn die Nieren in ihrer Filterfunktion gestört sind, kann Phosphat nicht mehr in ausreichender Menge ausgeschieden werden. Bei einem erhöhten Phosphatgehalt im Blut wird das Allgemeinbefinden beeinträchtigt, das Tier mag nicht mehr fressen und verliert an Gewicht. Ausserdem kann es zu einer vermehrten Schwäche kommen, es können Juckreiz und Zuckungen entstehen. Hier kann ein Phosphatbinder im Futter helfen. Jedoch werden viele Phosphatbinder von Katzen verweigert.

Kalium: Wenn die Katzen vermehrt Urin ausscheiden und dadurch Elektrolyte verlieren, kann es zu einem Kaliummangel kommen. Als Folge kommt es zu einer Schädigung der Muskulatur Im Bewegungsapparat und am Herzen. Die Gliedmassen, ganz besonders die Hinterbeine werden schwächer. Ausserdem leiden viele Katzen dann unter Verstopfungen. Jedoch kann eine Substitution von Kalium zu einem Überschuss führen, welcher starke Herzprobleme verursacht.

SDMA: Dies ist ein Früherkennungswert für Nierenfunktionsstörungen des Labors IDEXX. Ob dieser Wert dann jedoch auch bei Katzen, die mit Rohfleisch ernährt werden, aussagekräftig ist, ist noch nicht erwiesen.

 

Auch eine Urinuntersuchung ist möglich und sinnvoll. Sie dient zur Unterscheidung, falls Erkrankungen des Harntraktes oder auch zb Diabetes mellitus die Ursache für die Symptome sind.

Eine Ultraschalluntersuchung kann zeigen, ob die Nieren sich verändert haben, ob Tumore oder Zysten vorliegen.

Wichtig ist eine Blutdruckmessung bei Katzen, welche jedoch oft leider nicht vorgenommen wird.